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Mais! eine Landschaft funkt SOS

 
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe NABU-Aktive, liebe Freunde,
hier ein interessanter Beitrag zum Thema Mais und Biomasseerzeugung,
ein Bericht von Bernd Koop
 Liebe Beobachter,
 im Frühjahr hatte ich mich bereits einmal kurz mit dem Aspekt Mais und
 Biogasanlagen beschäftigt. Meine geäußerten  Befürchtungen scheinen sich
 zu bestätigen, dazu eine Einschätzung aus dem Kreis Celle/Nedersachsen.

 Im östlichen Kreis Celle herrschen sandige Böden vor mit geringer
 Wertigkeit (3-K-Böden: Kartoffeln, Kiefern und Karnickel). Der
 landwirtschaftliche Anbau umfasst(e) Kartoffeln, Gerste, Roggen und
 Hafer. Niederungsböden der Aller und ihrer Nebenflüsse wurden als
 Grünland genutzt.
 2002-2004 untersuchte ich den Schmarloh, eine kleinräumig strukturierte
 sandige Landschaft 20 km östlich von Celle. Diese Landschaft ist bisher
 sehr vielgestaltig gewesen. Aufgrund der Anbauvielfalt und der
 eingestreuten Gehölze konnte ich dort u.a. ermitteln:
 Schwarzstorch 1 Rev-Paar (jahrweise Brutvogel), Weißstorch 3 P in
 Langlingen, Ahnsbeck und Hohne, Rotmilan mind. 3-4 Bp, Schwarzmilan 1
 Bp, Wespenbussard mind. 3 Bp, Baumfalke 1, Rebhuhn verbreitet, Wachtel
 bis > 40 Rufer auf ca. 1000 ha, verbreitet Feldlerche, Baumpieper und
 Neuntöter, sowie die letzten Ortolane der Gegend. Ein Teil der
 Ergebnisse entstammt einer (einfachen) Erfassung aufgrund gigantischer
 Windkraftplanungen mit ursprünglich geplanten 45 Anlagen/max 145 m Höhe.
 Seit 2006 gibt es hier 3 Biogasanlagen auf engem Raum in Helmerkamp,
 Hohne und Spechtshorn, sowie weitere am Nordrand des Schmarloh. 2007 ist
 etwa knapp die Hälfte der landwirtschaftlichen Anbaufläche mit Mais
 bestellt, der z.T. bis 2,5 m hoch geworden ist.
 Die Auswirkungen: 2 der 3 Weißstorchpaare ohne Nachwuchs, Rotmilan: alle
 P ohne Nachwuchs, Schwarzmilan: ohne Nachwuchs, Wespenbussard: nicht
 beobachtet (obwohl Fütterungszeit!), Mäusebussard: nur vereinzelte
 Familien, Turmfalke: nur 1 P (ehemals 4-5), Rebhuhn und Wachtel nicht
 gefunden, Neuntöter vereinzelte P an den verbliebenen
 Nicht-Mais-Flächen, Ortolan: weg (Begehungen/Radtouren Ostern, 8.6. und
 28./29.7.2007).
 Der intensive Maisanbau ist somit zuerst ein gravierender
 Lebensraumverlust. Greifvögel und Störche können in Mais keine Beute
 finden - obwohl es aktuell viele Mäuse gibt. Der Rückgang von Grünland
 und niedrigwüchsigen Kulturen sowie Verlust von Brachen vermindert also
 Nahrungsräume für Großvögel.

 Die weiteren Auswirkungen dürften nicht minder gravierend sein: Das NSG
 "Allerdreckwiesen" war ohnehin bereits durch randliche Entwässerung
 entwertet, zukünftige denkbare Wiedervernässungsmaßnahmen sind wohl
 nicht mehr umsetzbar, da Mais bis an die NSG-Grenze und z.T. im NSG
 angebaut werden. Der Nutzungsdruck ist also viel zu hoch geworden und
 dürfte erhebliche Schadensersatzforderungen nach sich ziehen.
 Der Mais als extrem Wasser verbrauchende Pflanze erfordert (vielleicht
 nicht in diesem Sommer) umfangreiche Beregnungen, die insgesamt zu einem
 weiteren Absinken des Grundwasserstandes führen dürften.

 Um eine hohe Wuchsleistung zu erreichen, wird massiv gedüngt. Inzwischen
 (Mais wird seit längerem bereits als Viehfutter in geringem Umfang
 angebaut) sind vielerorts die bislang bunt blühenden Wegränder
 weitgehend botanisch verarmt. insbesondere Heidekraut, Heidenelke,
 Sandglöckchen oder Habichtskräuter werden von Brennesseln, Gräsern,
 Himbeeren u.a. verdrängt. Eine vermutlich auf die Nährstoffeinträge
 zurückzuführende Vergrasung fällt auch in den Wäldern auf, wo Blaubeeren
 u.a. verschwinden.
 Während sich eine Reihe von Vogelarten an Kulturen wie Getreide, Raps,
 Kartoffeln u.a. anpassen konnten, ist dies bisher beim Mais nicht der Fall
 Bis heute konnte ich trotz gezielter Beachtung (aktuell auch bei ADEBAR)
 keine Brutvogelvorkommen in Mais finden, lediglich Fasane nutzen den
 Mais als Deckung. Auf frisch keimenden Mais versuchen Kiebitze und
 Feldlerche zwar Bruten, diese sind aber nur dann erfolgreich, wenn in
 Wasser führenden Senken etwa Kahlstellen verbleiben. Mais hat für
 Brutvögel folgende besonders gravierende Nachteile:
 - Einsatz von Herbiziden zerstört jegliche Begleitflora, was zu akuten
 (Insekten)nahrungsmangel führen dürfte
 - der Strukturwandel durch den sehr raschen Aufwuchs ist extremer als
 bei Raps und für keine Vogelart zu bewältigen
 - im Mais halten sich nicht selten Wildschweine auf, so dass auch
 dadurch Flächen für Vögel unattraktiv sind.
 - um für den Betrieb von Biogasanlagen kontinuierlich frischen mais zu
 bekommen, werden mitten in der Brutzeit Flächen (z.T. Brachen)
 umgepflügt und noch im Juni neu mit Mais bestellt, der jetzt noch
 niedrig ist. Durch das umpflügen und Abspritzen sind aber auch diese
 Flächen frei von Mäusen und Ackerbegleitflora.
 Mais ist im Moment wohl die wertloseste Kulturpflanze für die
 Brutvogelwelt. Außerhalb der Brutzeit/nach der Ernte profitieren vor
 allem Rabenkrähen, Saatkrähen, Kraniche und Gänse von den
 Stoppelflächen, wo sie liegen gebliebene Körner aufnehmen.
 Insbesondere vor dem Hintergrund des Lebensraumverlustes, aber auch
 aufgrund der vom Maisanbau ausgehenden Eutrophierung sind Errichtung und
 Betrieb von Biogasanlagen, für die der einseitige Maisanbau erfolgt,
 Eingriffe in den Naturhaushalt, die fachlich betrachtet einen Ausgleich
 erfordern. Für einige Großvögel, insbesondere Rotmilan und Weißstorch
 dürften schwere Zeiten anbrechen. Da diese Arten eher zu Arten der
 (landwirtschaftlich geprägten) Kulturlandschaft gezählt werden, der
 Betrieb von Biogasanlagen als "Landwirtschaft" gelten und Landwirtschaft
 ja  laut Präambel von Bundesnaturschutzgesetz und
 Landesnaturschutzgesetz "den Zielen des Naturschutzes dient", sind diese
 Vogelarten nahezu schutzlos.

 Etwas frustrierte Grüße

 Bernd Koop


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