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Allgemeines zu Tagfaltern eine Beschreibung
durch unser NABU-Mitglied Martin Rieser

Seit je her haben die bunten Schmetterlinge die Menschen fasziniert, entweder wegen ihrer Farbenvielfalt oder ihrer Entwicklung vom Ei bis hin zum wunderschönen Schmetterling, der so genannten Metamorphose. Wie der Name Schmetterling entstand, da gibt es so manche amüsante Geschichte, z. B. aus der Zeit, als die Bauern ihr Vieh von Hirten auf die Weiden treiben ließen und diese die Kühe vor Ort melkten. Natürlich wussten auch die Hirten, was das Beste der Milch war - der Rahm und so schöpften sie einen teil für sich ab. Hatten sie es wieder einmal übertrieben und der Bauer beschwerte sich, sagten die Hirten, es gab so viele Schmandlecker, die haben den ganzen Rahm von der Milch genascht. Aus Schmandlecker wurde dann Schmetterling. Sehr deutlich wird dies Bezeichnung im Englischen, hier heißt der Tagfalter ?Butterfly?, was wörtlich übersetzt ?Butterfliege? bedeutet.

Wissenschaftlich heißt der Schmetterling ?Lepidoptera?, das bedeutet ?Schuppenflügler?. Auf den Flügeln sind Millionen kleiner Schuppen wie Dachziegeln angebracht. Diese Schuppen enthalten Farbpigmente, die den Faltern ihre Farben und Zeichnungen verleihen.

Die Schmetterlinge werden in zwei große Bereiche unterteilt, die Tag- und die Nachtfalter. Leider ist es nicht so einfach, wie der Name vermuten läst, dass Tagfalter nur am Tag und Nachtfalter nur nachts fliegen. Für Tagfalter trifft es zwar zu aber es gibt eine ganze Reihe tagaktiver Nachtfalter. Viele von Ihnen kennen bestimmt das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum), das im Sommer wie ein Kolibri im Schwirrflug vor Blüten steht und Nektar saugt. Es gehört zu den Nachtfaltern. Wie aber können wir dann Tag- und Nachtfalter unterscheiden?

Ein gutes Merkmal sind die Flügel, bei Tagfaltern werden sie waagerecht zum Körper ausgebreitet um Wärme aufzunehmen oder, in Ruhestellung, senkrecht über dem Körper gestellt. Nur wenige der tagaktiven Nachtfalter folgen dieser Art der Flügelhaltung in Ruhe. Typisch für Nachtfalter ist, dass die Flügel immer wie ein Zelt schützend über den Körper gelegt werden. Ein weitere Möglichkeit Tag- und Nachtfalter zu unterscheiden sind die Fühler. Nähern wir uns einem Schmetterling bis auf kurze Entfernung, können wir bei Tagfaltern am vorderen Ende der Fühler eine kolbenförmige Verdickung erkennen. Ein wenig erinnert diese Form an ein Streichholz. Bei einem Nachtfalter dagegen ist das Ende der Fühler immer Spitz wie ein Zahnstocher. Der Schaft des Fühlers kann bei Nachtfaltern auch mit kleinen Fiedern besetzt sein, das dann wie bei einem Kamm aussieht. Tagfalter sind also nur solche Falter, die einen Fühler mit einer kolbenartigen Verdickung haben und ihre Flügel waagerecht zum Körper ausbreiten oder sie in Ruhe senkrecht über dem Körper stellen.

Die Entwicklung aller Falter verläuft gleich ? aus dem Ei schlüpft eine Raupe die sich verpuppt und dann schlüpft daraus der Schmetterling. Die Eiablage erfolgt je nach Art einzeln oder in Gruppen, ja sogar in Türmchen, auf Blättern oder am Boden. Es dauert etwa fünf bis zehn Tage bis das kleine Räupchen das Ei verlässt und an verschiedenen Blättern und Gräsern frisst. Hierbei gibt es Spezialisten, die sich auf eine Pflanze beschränken, sie werden als monophag bezeichnet. Im Gegensatz dazu gibt es die polyphage Arten, also solche die verschiedene Pflanzen als Nahrung annehmen. Zur ersten Gruppe gehört das Tagpfauenauge (Nymphalis io) dessen Raupe nur auf der Großen Brennnessel angetroffen werden kann. Im Gegensatz dazu ist die Raupe des Schwalbenschwanz (Papilio machaon) weniger wählerisch, sie frisst an Wilder Möhre, Fenchel, Petersilie, Dill und dem Kraut der Gartenmöhre. Da sie immer nur einzeln anzutreffen ist richtet sie an unseren Kurturpflanzen keinen Schaden an. Oft werden Schmetterlingsraupen und Fliegenlarven verwechselt. Raupen haben immer auffällig gegliederte Beinpaare. An den Brustsegmenten befinden sich drei Beinpaare aus denen sich später die Beine des Falters entwickeln, sie werden als ?Echte Beinpaare? bezeichnet. Nach einer kleinen Lücke folgen drei Fleischzapfen, die ?Unechten Beine? mit denen sich die Raupe am Untergrund festhält. Am Ende, nach einer weiteren Lücke, sitzt noch ein Paar Füße, die Nachschieber. Ganz anders sieht die Fußstruktur bei Larven anderer Insekten aus. Hier befinden sich die Beinpaare ohne Lücken von den Brustsegmenten bis zu den Nachschiebern, es sieht fast aus wie ein Reißverschluss.

Nach circa zwei bis drei Wochen hat die Raupe nach mehreren Häutungen ihr Wachstum abgeschlossen und verpuppt sich. Bei unseren heimischen Tagfaltern unterscheiden wir drei Puppenformen, Gürtelpuppe, Stürzpuppe und am Boden freiliegende Puppen. Gürtelpuppen kennen wir von unseren Weißlingen, wie etwa dem Großen Kohlweißling. Die Raupe spinnt ein kleines Polster in das das hintere Beinpaar verharkt wird. Danach spinnt sie einen einzelnen Faden um ihren Körper, der sie an dem gewählten Untergrund festhält. Dann wird die Raupenhaut abgestreift. Bei der Stürzpuppe, z. B. die des Kleinen Fuchses und der des Tagpfauenauges, fehlt der einzelne Faden um den Körper. Nachdem die Hinterbeine in dem kleinen Polster verankert sind, lässt sich die Raupe kopfüber, meist an kleinen Ästen, herunterhängen und streift dann die Raupenhaut ab. Bei der dritten Form, oft bei Bläulingen, verpuppt sich die Raupe einfach am Boden in heruntergefallenen Blättern oder in welkem Gras. Sie verzichtet dabei auf jegliche Befestigung oder schützende Kokons wie die vieler Nachtfalter.

Nach acht bis zwanzig Tagen ist die Puppenruhe abgeschlossen und aus der Raupe hat sich in der Puppenhülle ein Schmetterling entwickelt. Unsere Tagfalter besitzen immer vier Flügel und, wie für Insekten typisch, sechs Beine. Die Ausnahme bilden die Gruppen der Edelfalter und Augenfalter(Tagpfauenauge, Kleiner  Fuchs / Schachbrett, Großes Ochsenauge usw.). Bei ihnen ist das vordere Beinpaar zu Putzpfoten verkümmert und somit zur Fortbewegung unbrauchbar geworden. Die Möglichkeiten unserer heimischen Tagfalter die kalte Jahreszeit zu überstehen sind sehr vielfältig. In allen Entwicklungsstadien, also als Ei, Raupe, Puppe oder Falter, ist eine Überwinterung möglich. Nur die aktiven Phasen wie Raupe und Schmetterling haben dabei die Wahl einen bestimmten Platz aufzusuchen. An den Blättern von Gehölzen fressende Raupen verbleiben meist auf den Ästen wobei sie sogar überleben, wenn sie im Eis eingefroren sind (Großer Eisvogel). Überwinternde Tagpfauenaugen oder Kleine Füchse können wir in Gartenschuppen, Garagen ja sogar im Keller oder Dachboden antreffen. Falter die im Herbst in unsere Häuser gelangt sind, verhungern oft im Frühjahr, weil sie keine Möglichkeit finden, den Dachboden oder Keller wieder zu verlassen. Wir sollten daher mit den ersten warmen Tagen immer wieder ein Fenster öffnen um eingeschlossenen Tieren die Chance zu geben wieder in Freiheit zu gelangen.

Die Formen und Farbenvielfalt begeistern uns jeden Sommer aufs Neue und war der Winter und das Frühjahr regnerisch und kühl, sodass sich nur wenige Falter aus den verschiedenen Entwicklungsstadien entwickeln konnten vermissen wir unsere ?Edelsteine der Lüfte?.


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